Über die syrische Küche, Fadis Lieblingsgerichte und die deutsche Fußball-Nationalmannschaft

Über die syrische Küche, Fadis Lieblingsgerichte und die deutsche Fußball-Nationalmannschaft

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Fadi Alauwad, Autor unseres Kochbuchs „Fadi kocht syrisch“, war in seiner Heimat Syrien und weit darüber hinaus als Fernsehkoch bekannt. Inzwischen lebt er in Aachen. Wie es dazu kam und was seine beiden Leben in Damaskus und in Aachen ausmacht(e), erzählt er uns in dieser Interviewreihe. Und: Warum Kochen und Essen Heimat bringen kann.

Teil 2: Ich liebe es, wenn meine Frau kocht

Corina: Während der Arbeit am Kochbuch hast du uns unglaublich tolle Gerichte gekocht – und die Rezepte für das Buch abgegeben. Welches isst du persönlich am liebsten?

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Dajaj Harrah, die „scharfen Hühner“ – eine Rezept aus Fadi kocht syrisch

Mein liebstes Gericht ist Dajaj Harrah, die „scharfen Hühner“. Das war das erste Gericht, das ich von meinem Chefkoch im Meridien gelernt habe. Außerdem gibt es eine süße Nachspeise mit Gries und Käse, die ich sehr mag: Halawet bill Jiben. Meine Frau kocht sie gerne, und meine Kinder lieben sie auch.

Corina: Welche typischen Zutaten verwendet die syrische Küche?

Die syrische Küche orientiert sich an den vier Jahreszeiten, für jede Zeit im Jahr gibt es andere Zutaten. Man schaut also, welche Obst- und Gemüsesorten gerade nach Saison geerntet werden und verwendet diese zum Kochen. Ganzjährig wichtig für die orientalisch-syrische Küche sind Knoblauch, Zwiebeln und gutes Olivenöl. Außerdem brauchen wir frische Kräuter wie Koriander – außerhalb der Saison werden sie auch getrocknet auf den Märkten in Syrien verkauft.

Corina: Fadi, für mich gibt es ein bestimmtes Gericht, zu dem ich eine emotionale Beziehung habe. Ich bereite es mir zu, wenn ich einen miesen Tag hatte – es erinnert mich an meine Familie und gibt mir sofort ein bisschen Stärke zurück. Kennst Du das Gefühl? Hast Du auch ein solches Gericht oder Lebensmittel, auf das Du nicht verzichten könntest, weil es Dir emotional viel bedeutet?

Ja, das kenne ich. Mir geht es so, wenn ich grüne Bohnen esse. Ich fühle mich dann sofort glücklich und zuhause, weil sie mich daran erinnern, wie sie meine Mutter immer gekocht hat. Ich würde sie auch nie anders zubereiten, als das meine Mutter tut – mit Zwiebeln, viel Knoblauch, frischen Tomaten und frischem Koriander, und dann ganz langsam kochen. Meine Mutter schneidet die Bohnen nicht einmal mit dem Messer, sondern bricht sie von Hand in kleine Stücke. Das ganze bereitet man morgens vor und gibt es mit Olivenöl in eine Pfanne mit Deckel. Wenn man dann von der Arbeit kommt und den Deckel hochhebt, riecht man die vielen Aromen und sieht die Farben grün, rot, gelb … für mich ist das Harmonie, es macht mich glücklich.

Corina: Du lebst nun seit einem Jahr mit Deiner Frau und Deinen Töchtern in Aachen. Wer kocht eigentlich bei Euch zuhause?

Ich erkläre das mal etwas: Wann immer ich zur Arbeit gehe, lasse ich all meine Probleme hinter mir. Ich vergesse alles – natürlich nicht meine Familie, aber alle Schwierigkeiten, mit denen wir gerade in unserem Leben zu kämpfen haben. Ich will mit vollem Bewusstsein und freiem Kopf kochen. Umgekehrt vergesse ich alles, was mit meiner Arbeit zusammenhängt, sobald ich zuhause zur Tür hereinkomme.

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Fadi präsentiert das Mittagessen, gekocht von seiner Frau Rim

Vor diesem Hintergrund liebe ich es, wenn meine Frau kocht. Als ich sie das erste Mal traf, sagte sie, sie könne nicht kochen. Ich widersprach, jeder Mensch könne das. Als wir dann zusammen nach Dubai gingen, weil ich da einen Job angenommen hatte, rief sie mich ständig von zuhause an: „Fadi, wie geht das? Was mache ich mit dem Reis? Wie geht das mit dem Gemüse? Und die Soße?“

Als ich nach der Arbeit nach Hause kam, setzten wir uns an den Tisch und ich sagte jeden Tag: „Mmh, das ist so lecker!“ Ich wollte sie damit motivieren, kochen zu lernen. Inzwischen kocht meine Frau besser als ich. Warum? Weil sie hier in der Küche – anders als ich im Restaurant – ganz langsam kocht. Außerdem singt sie die ganze Zeit dabei. (lacht) So kann das Essen nur toll werden, und ich freue mich noch immer jeden Tag darauf, nach der Arbeit mit meiner Frau zu essen.

Auch meine Kinder essen am liebsten von meiner Frau. Ich bin aber für einige spezielle Gerichte zuständig. Sie fragen dann: „Papa, kannst du wieder Spaghetti mit deiner Spezialsoße machen?“ Und ich koche bei großen Festen, wie zu Weihnachten oder zu Silvester. Dann helfe ich meiner Frau natürlich.

Corina: Kanntest Du die deutsche Küche, bevor Du nach Aachen kamst?

Ich kenne die europäische Küche schon lange, ja. Zum einen lernte ich die französische Küche im Meridien, und in einem solch internationalen Hotel mit Gästen aus vielen verschiedenen Ländern muss man ohnehin auch die Küche aus Italien, Spanien oder aus anderen Ecken der Welt kennen. Zum anderen lebt einer meiner Brüder schon seit langer Zeit hier in Deutschland.

Ich liebe ja die deutsche Fußball-Nationalmannschaft. Als ich in Dubai gearbeitet habe, kam die Mannschaft in unser Hotel, wo ich orientalisches Essen für das ganze mitgereiste Team kochte – auch für Mannschaften aus anderen Ländern. Ich traf den Chefkoch, den die deutsche Mannschaft mit hatte, und wir besprachen, dass es Fleisch mit Soße geben sollte. Aber das wichtigste war: viele Kartoffeln. Von ihm bekam ich dann zum ersten Mal einen Eindruck deutscher Küche.

Corina: Was magst Du an der deutschen Küche, hast Du auch da ein Lieblingsgericht? Magst Du Kartoffeln?

(Fadi lacht) Ich mag Käsekuchen. Und Spargel, den gibt es in Syrien nämlich nur aus dem Glas. Außerdem Lebkuchen …

Meike:… oh, gute Aachener Printen …

Genau, Printen mag ich sehr gerne, und Apfelstrudel. Und dann mag ich noch sehr gerne Sauerbraten. Vor zwanzig Jahren habe ich das erste Mal Sauerbraten gesehen, mein Chefkoch in Dubai kochte ihn damals. Als ich dann hierher kam, fragte ich sofort: „Wo gibt es den Sauerbraten?“ Übrigens habe ich von der Aachener Legende gehört, dass Kaiser Karl das Sauerbraten-Rezept erfunden haben soll. Dazu gibt es aber einige Geschichten, niemand weiß, welche stimmt.

Corina: Danke Fadi, es macht einfach richtig Spaß, Dir beim Schwärmen über die syrische und deutsche Küche zuzuhören.

Ihr habt Teil 1 unseres Interviews „Über die Kunst des Kochens und wie aus Fadi Alauwad – Chef Fadi wurde verpasst? Dann bitte hier entlang.

Im 3. und letzten Teil unseres Interviews haben wir mit Fadi über die Zeit des Bürgerkrieges in Syrien und die Flucht nach Deutschland gesprochen. Eine bewegende und sehr persönliche Geschichte, die wir Euch das nächste Mal erzählen.

Das Interview führten Corina Pahrmann und Meike Fernandez-Steeger.




Fadi Kocht Syrisch - Liste Buchhandlungen

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2 Antworten

  1. […] die deutsche Fußball-Nationalmannschaft“ verpasst? Dann bitte für Teil 1 hier  und Teil 2 hier […]

  2. […] Teil 2 „Über die syrische Küche, Fadis Lieblingsgerichte und die deutsche Fußball-Nationalmannschaft“  […]

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